2013 Jul 23

"Shitstorm" - PR-Krise am Beispiel Xbox One

Die neue Xbox wurde 8 Mal weniger vorbestellt als die Playstation 4. Doch wie kam es dazu? Wir beschreiben Auslöser für die Krise, das Vorgehen von Microsoft und aktuelle Zahlen.

Angefangen hat alles mit der Vorstellung der Konsole am 21. Mai. Per Livestream kann die Welt beim Spektakel zugucken. Microsoft erzählt über TV-Funktionen und eine Partnerschaft mit der amerikanischen Football-Liga NFL. Spiele dagegen kann man kaum sehen, was viele Seiten irritiert. Die Fans kritisieren, dass die Xbox One eher ein Mediacenter als eine Spielekonsole sei. Auf Youtube wird ein Video veröffentlicht – darauf zu sehen ein Zusammenschnitt der Veranstaltung, der hauptsächlich aus den aneinander gereihten Wörtern „TV“ und „Sports“ besteht. Auch die Kommentare darunter sind eher hämisch als aufgeschlossen.

Einen Tag später, am 22. Mai, haben auch andere Medien das Thema aufgegriffen. Auf einmal stehen Fragen wie „Muss die Kinect-Kamera wirklich immer eingeschaltet und online sein? Könnte man mich da nicht ausspionieren?“ im Raum, und werden auch in den sozialen Medien thematisiert.

Schon am 24. Mai gibt es neue Gerüchte: Nach Angaben eines Medienberichtes will Microsoft den Handel mit Gebrauchtspielen kontrollieren. Für gebraucht gekaufte Spiele muss eine Aktivierung für 40€ gekauft werden, ist damit also fast so teuer wie ein neues Spiel. Microsoft äußert sich nicht wirklich dazu und die Fans laufen öffentlich in den Medien Sturm.

Am nächsten Tag sperrt Microsoft die Kommentarfunktion des Xbox-Kanals auf Youtube, woraufhin sich Anti-Xbox-Videos der User häufen.

Noch vor der Videospiele-Messe E³ bestätigt Microsoft am 07. Juni die Pläne rund um das umstrittene DRM-Modell (Digital Rights Management). Alle 24 Stunden muss die Box Kontakt zu den Servern aufnehmen, sonst laufen die gekauften Spiele nicht mehr. Die Disk-Spiele müssen im Internet aktiviert und dürfen nur von lizensierten Händlern vertrieben werden. Das war die erste offizielle Verlautbarung des Herstellers!

Am 10. Juni, auf der Pressekonferenz zur E³, zeigt Microsoft auch endlich tatsächliche Spiele für die neue Xbox, die einen guten Eindruck machen. Das alles verblasst aber nach dem Interview mit dem Verantwortlichen Don Mattrick. Auf die Frage, was Spieler ohne Internet mit der Xbox One anfangen sollten, entgegnete er: „Glücklicherweise besitzen wir ein Produkt für Menschen, die keine Verbindung mit dem Internet haben; es nennt sich Xbox 360.“.

Die Pressekonferenz des Hauptkonkurrenten Sony am Tag danach wurde nun genau beobachtet, denn auch die Hersteller der Playstation 4 überlegten die Nutzerrechte per DRM digital zu verwalten. Doch Sony liefert nicht nur eine gute Show und die Konsole ist nicht nur 100 € günstiger; Sony veröffentlicht ein Video, das zeigt wie man ein PS4-Spiel von Hand zu Hand weitergibt und wird dafür gefeiert. (http://www.youtube.com/watch?v=kWSIFh8ICaA).

Der Druck auf Microsoft wächst rapide an. Durch die darauf folgende Veröffentlichung der Vorbestellungszahlen, konnte nun jeder sehen, dass sich nur noch jeder achte Gamer für die Xbox entschieden hat. Das Einlenken kam nun schnell: Die DRM-Pläne wurden begraben, die Xbox One kommt im November ohne Internet-Zwang, ohne Online-Aktivierung und auch ohne Gebrauchtspielkontrolle auf den Markt.

Wie oben beschrieben wurde, hat Microsoft im Grunde nichts unternommen um dem „Shitstorm“ entgegenzuwirken. Längst nicht alle Neuerungen waren schlecht, aber den Fans wurden eben nur diese „nachteiligen“ Änderungen präsentiert. Nach dem Einlenken steigen die Vorbestellungszahlen langsam wieder. Übrigens: bei socialtalks bieten wir PR-Krisenmanagement als maßgeschneiderte Dienstleistung für unsere Kunden an! Denn in jedem Sturm liegt, im Zeitalter des Social Web, auch eine Chance für eine offene Unternehmenskultur.